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Eine Frau und ihr Liebhaber
nach dem Sex. Es klingelt und vor der Tür steht der Ehemann der Frau
gleichzeitig auch der beste Freund des Liebhabers. Farbe bekennen oder
unter das Bett kriechen? Tragödie oder Komödie? In jedem Fall geht es um
Sex, Liebe und Theater.
Für die drei, von denen jeder glaubt, alles im Griff zu haben, beginnt ein
verwirrendes Versteckspiel, das erst ganz allmählich und genüßlich
aufdeckt, wer zu welchem Zeitpunkt wieviel wovon wußte, wer wann mit wem
schlief und warum – bis hin zur bitteren Konsequenz.
Virtuos spielt Jens Roselt mit allen erdenklichen Klischees, die wir aus
zahlreichen Komödien zu kennen glauben. Rasant geschriebene Dialoge mit
doppeltem oder dreifachem Boden, schwarzer Humor und messerscharfe,
zuweilen zynische Pointen machen die Dreiecksgeschichte zu einer
intellektuellen Kissen-Schlacht. Das Bett als Bühne birgt aber auch
tragische Momente, wenn Liebe, Vertrauen und Hoffnung kurz aufflackern und
mit einem Halbsatz weggewischt werden: eitel, belanglos, ausweglos. |
Unklare Verhältnisse und immer einer unterm
Bett
Euro Theater Central spielt "Dreier" von Jens Roselt
Beste Inszenierung des Bonner Theaterherbstes
Mit dem flotten "Dreier" von Jens Roselt (41)
hat das Euro Theater Central seit Donnerstag die vielleicht beste
Inszenierung dieses Bonner Theaterherbstes auf der Bühne. Von der
Pflichtübung auf dem Programmzettel ("Bittere Einblicke in die trostlose
Gefühlswelt einer städtischen Mittelschicht") sollte man sich nicht
beeindrucken lassen. Roselt steuert das Beziehungschaos seiner drei
Protagonisten allein nach den Spielregeln.
Und die kennt zunächst nur der Autor. Zu Beginn liegen zwei hinter dem
Lamellenrollo im Halbdunkel unterm Deckbett, atemlos. So virtuos wie
darunter sind sie gesprächsweise auch darüber. Sie haben zweieinhalb Jahre
Übung. Beide sind im Mediengeschäft. Sie ist verheiratet, aber nicht mit
ihrem Partner. Ihr Mann ist Jurist und sein bester Freund. Ihn treibt der
Fall eines Amokläufers um, erfährt man aus der Unterhaltung.
Aber ihr Mann steht plötzlich vor der Tür. Sie springt unters Bett, die
Freunde unterhalten sich. Das ist der "Dreier", die Männer reden über die
Frau, unverblümt. Stefan Krause inszeniert es mit witzigen Einfällen. Der
Liebhaber stellt auch ihr, kaum verdeckt, ein Glas Wein unters Bett. Aber
der Autor hat auch die Spiegelszene in petto: Der Ehemann geht essen, sie
verlässt das Appartement, er kehrt zurück und versteckt sich unterm Bett,
als sie wiederkommt.
Mit diesem doppelten Boden gehen Roselts Dialoge äußerst virtuos um.
Plausibel auch, dass sie nur mit so attraktiven Schauspielern
funktionieren wie Doris Lehner, Hanno Dinger und Richard Hucke, die das
schon am Kölner Horizont Theater gespielt haben. Die Aufführung läuft
hinreißend elegant. Doris Lehner ist in dem kleinen Schwarzen, das man
unterm kleinen Schwarzen trägt, die personifizierte Verführung.
Dinger bleibt als Hausherr bedeckt, Hucke poltert jovial. Alle verhalten
sich, als ob sie einander durchschauten, unterstellen einander, die
Enthüllungen inszeniert zu haben. Sie alle laufen Amok. Aber auch dafür
hat Roselt noch mal starke Verzögerungen eingebaut. Gefühle können immer
nur die zeigen, die nicht wissen, dass der Dritte unterm Bett liegt. Oder
so tun. Als sie ihrem Liebhaber ihre Liebe gesteht, findet er keine
Antwort. Aber dann gibt es noch eine ganz andere Antwort . . . Sehr
empfehlenswert!
(Bonner Rundschau, 10. Oktober 2009) |