Dreier
Jens Roselt

 
Dreier

v.l.n.r.: Richard Hucke, Hanno Dinger, Doris Lehner - Photo: Alexandra Wolkowicz

 

Premiere: 1. Oktober 2009
Inszenierung: Stefan Krause
Mit Doris Lehner, Hanno Dinger, Richard Hucke

 

Eine Frau und ihr Liebhaber nach dem Sex. Es klingelt und vor der Tür steht der Ehemann der Frau gleichzeitig auch der beste Freund des Liebhabers. Farbe bekennen oder unter das Bett kriechen? Tragödie oder Komödie? In jedem Fall geht es um Sex, Liebe und Theater.
Für die drei, von denen jeder glaubt, alles im Griff zu haben, beginnt ein verwirrendes Versteckspiel, das erst ganz allmählich und genüßlich aufdeckt, wer zu welchem Zeitpunkt wieviel wovon wußte, wer wann mit wem schlief und warum – bis hin zur bitteren Konsequenz.
Virtuos spielt Jens Roselt mit allen erdenklichen Klischees, die wir aus zahlreichen Komödien zu kennen glauben. Rasant geschriebene Dialoge mit doppeltem oder dreifachem Boden, schwarzer Humor und messerscharfe, zuweilen zynische Pointen machen die Dreiecksgeschichte zu einer intellektuellen Kissen-Schlacht. Das Bett als Bühne birgt aber auch tragische Momente, wenn Liebe, Vertrauen und Hoffnung kurz aufflackern und mit einem Halbsatz weggewischt werden: eitel, belanglos, ausweglos.

 
Unklare Verhältnisse und immer einer unterm Bett
Euro Theater Central spielt "Dreier" von Jens Roselt
Beste Inszenierung des Bonner Theaterherbstes

Mit dem flotten "Dreier" von Jens Roselt (41) hat das Euro Theater Central seit Donnerstag die vielleicht beste Inszenierung dieses Bonner Theaterherbstes auf der Bühne. Von der Pflichtübung auf dem Programmzettel ("Bittere Einblicke in die trostlose Gefühlswelt einer städtischen Mittelschicht") sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Roselt steuert das Beziehungschaos seiner drei Protagonisten allein nach den Spielregeln.
Und die kennt zunächst nur der Autor. Zu Beginn liegen zwei hinter dem Lamellenrollo im Halbdunkel unterm Deckbett, atemlos. So virtuos wie darunter sind sie gesprächsweise auch darüber. Sie haben zweieinhalb Jahre Übung. Beide sind im Mediengeschäft. Sie ist verheiratet, aber nicht mit ihrem Partner. Ihr Mann ist Jurist und sein bester Freund. Ihn treibt der Fall eines Amokläufers um, erfährt man aus der Unterhaltung.
Aber ihr Mann steht plötzlich vor der Tür. Sie springt unters Bett, die Freunde unterhalten sich. Das ist der "Dreier", die Männer reden über die Frau, unverblümt. Stefan Krause inszeniert es mit witzigen Einfällen. Der Liebhaber stellt auch ihr, kaum verdeckt, ein Glas Wein unters Bett. Aber der Autor hat auch die Spiegelszene in petto: Der Ehemann geht essen, sie verlässt das Appartement, er kehrt zurück und versteckt sich unterm Bett, als sie wiederkommt.
Mit diesem doppelten Boden gehen Roselts Dialoge äußerst virtuos um. Plausibel auch, dass sie nur mit so attraktiven Schauspielern funktionieren wie Doris Lehner, Hanno Dinger und Richard Hucke, die das schon am Kölner Horizont Theater gespielt haben. Die Aufführung läuft hinreißend elegant. Doris Lehner ist in dem kleinen Schwarzen, das man unterm kleinen Schwarzen trägt, die personifizierte Verführung.
Dinger bleibt als Hausherr bedeckt, Hucke poltert jovial. Alle verhalten sich, als ob sie einander durchschauten, unterstellen einander, die Enthüllungen inszeniert zu haben. Sie alle laufen Amok. Aber auch dafür hat Roselt noch mal starke Verzögerungen eingebaut. Gefühle können immer nur die zeigen, die nicht wissen, dass der Dritte unterm Bett liegt. Oder so tun. Als sie ihrem Liebhaber ihre Liebe gesteht, findet er keine Antwort. Aber dann gibt es noch eine ganz andere Antwort . . . Sehr empfehlenswert!
(Bonner Rundschau, 10. Oktober 2009)