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Eine berührende Geschichte von
Poesie und Politik
Marianne de Pury inszeniert im Bonner
Euro Theater Central Antonio Skármetas Stück "Brennende Geduld - Pablo
Neruda und sein Briefträger"
Bonn. Antonio Skármetas
Roman "Mit brennender Geduld", der in Deutschland hohe Auflagen erreichte,
ist nicht nur eine Hommage an den chilenischen Landsmann Pablo Neruda; er
ist eine zutiefst berührende Erzählung von der Macht der Wörter, vom
ungebrochenen Zauber der Poesie.
Skármetas Theaterstück "Brennende Geduld - Pablo Neruda und sein
Briefträger" hat diesen Zauber bewahrt; man kann sich davon jetzt im
Bonner Euro Theater Central überzeugen, für das Regisseurin Marianne de
Pury eine geradezu herzzerreißend stimmige Inszenierung des zeitlos
schönen Stoffs besorgt hat.
In kurzen Szenen leuchten Leben auf, vor allem das des Dichters Pablo
Neruda, in dem sich Poesie mit Politik verbindet, und das des Briefträgers
Mario, der mit Neruda seine Liebe gewinnt und sein Leben verliert. Es ist
das Chile in der Zeit zwischen 1969 und 1973, vom Allende-Aufbruch bis zur
Pinochet-Finsternis; der Dichter stirbt nur wenige Tage, nachdem man
Salvador Allende tot aufgefunden hat.
Die politischen Wirrnisse drängen sich weder im Stück noch in der
Inszenierung in den Vordergrund, aber sie sind - Marianne de Pury braucht
dazu nur Andeutungen - stets präsent. Klugerweise schlägt die Regisseurin
einen leichten Ton an, betont die menschliche Komödie und die Sinnlichkeit
der Vorlage; das bewahrt sie vor allzu sentimentalen Ausrutschern.
Denn die Geschichte hat nah am Wasser gebaut. Der berühmte Dichter und
sein Briefträger - der Postbote Mario ist in Liebe entbrannt zur schönen
Kellnerin Beatriz und "leiht" sich Nerudas Gedichte und Metaphern, um das
Herz der Angebeteten zu gewinnen. Nicht umsonst vermutet Mutter Rosa, dass
Männer, die mit Worten betören, mit den Händen noch viel weiter kommen.
Man sieht es, in einer stummen, sehr zärtlichen, sanften Liebesszene.
Neruda wird Trauzeuge eines Glücks, das nicht von langer Dauer sein wird.
Weil draußen die Panzer anrollen.
Für diese von Mut und Melancholie gleichermaßen bestimmte Geschichte hat
das Euro Theater ein Schauspieler-Quartett von hoher Bühnenpräsenz parat.
Viktor Weiss spielt den Neruda exakt so, wie ihn Skármeta beschrieben hat:
voller Zärtlichkeit, Humor und freundlicher Ironie, Lebensweise, doch
nicht abgeklärt.
Die Dialoge zwischen ihm und dem wissbegierigen Briefträger funkeln in
ihren unzähligen Sprachbildern; Choere Fischer bringt für diesen Mario den
Charme der Jugend und der liebenswerten Ungeduld mit. Angela Fischer als
Mutter trägt das Herz auf der Zunge, ist von resoluter Direktheit, aber
durchaus nicht gefeit gegen große Gemütsbewegungen. Laura Weider, die
begehrte Beatriz, hat bewundernswerte Natürlichkeit und lässt bei aller
Sanftmut ahnen, dass Frauen vielleicht doch die Stärkeren sind.
General-Anzeiger, Bonn, 27.1.2007. |