Brennende Geduld – Pablo Neruda und sein Briefträger
Antonio Skármeta

 
Brennende Geduld

V.l.n.r.: Frank Musekamp, Viktor Weiss - Foto: Jörg Löffke

 

Premiere: 25. Januar 2007
Inszenierung: Marianne de Pury - Ausstattung: Thomas Ziegler
Mit Angela Fischer, Frank Musekamp, Laura Weider, Viktor Weiss

 
Der Dichter Pablo Neruda ist der einzige im Dorf, der täglich Post bekommt – dadurch sichert er gleichsam die Existenz des jungen Briefträgers, der ihn scheu aus der Ferne bewundert. Eines Tages bittet der Briefträger Neruda um ein Gedicht, mit dem er seine große Liebe beeindrucken will. Die Verse haben eine positive, bei der Mutter des Mädchens allerdings eine höchst negative Wirkung.
Eine leise Komödie vor dem Hintergrund des Militärputsches in Chile. Der Stoff um den chilenischen Schriftsteller Pablo Neruda, der 1971 den Literatur Nobelpreis erhielt, wurde unter dem Titel »Il Postino« mit großem Erfolg verfilmt.
 

Eine berührende Geschichte von Poesie und Politik
Marianne de Pury inszeniert im Bonner Euro Theater Central Antonio Skármetas Stück "Brennende Geduld - Pablo Neruda und sein Briefträger"

Bonn. Antonio Skármetas Roman "Mit brennender Geduld", der in Deutschland hohe Auflagen erreichte, ist nicht nur eine Hommage an den chilenischen Landsmann Pablo Neruda; er ist eine zutiefst berührende Erzählung von der Macht der Wörter, vom ungebrochenen Zauber der Poesie.

Skármetas Theaterstück "Brennende Geduld - Pablo Neruda und sein Briefträger" hat diesen Zauber bewahrt; man kann sich davon jetzt im Bonner Euro Theater Central überzeugen, für das Regisseurin Marianne de Pury eine geradezu herzzerreißend stimmige Inszenierung des zeitlos schönen Stoffs besorgt hat.

In kurzen Szenen leuchten Leben auf, vor allem das des Dichters Pablo Neruda, in dem sich Poesie mit Politik verbindet, und das des Briefträgers Mario, der mit Neruda seine Liebe gewinnt und sein Leben verliert. Es ist das Chile in der Zeit zwischen 1969 und 1973, vom Allende-Aufbruch bis zur Pinochet-Finsternis; der Dichter stirbt nur wenige Tage, nachdem man Salvador Allende tot aufgefunden hat.

Die politischen Wirrnisse drängen sich weder im Stück noch in der Inszenierung in den Vordergrund, aber sie sind - Marianne de Pury braucht dazu nur Andeutungen - stets präsent. Klugerweise schlägt die Regisseurin einen leichten Ton an, betont die menschliche Komödie und die Sinnlichkeit der Vorlage; das bewahrt sie vor allzu sentimentalen Ausrutschern.

Denn die Geschichte hat nah am Wasser gebaut. Der berühmte Dichter und sein Briefträger - der Postbote Mario ist in Liebe entbrannt zur schönen Kellnerin Beatriz und "leiht" sich Nerudas Gedichte und Metaphern, um das Herz der Angebeteten zu gewinnen. Nicht umsonst vermutet Mutter Rosa, dass Männer, die mit Worten betören, mit den Händen noch viel weiter kommen. Man sieht es, in einer stummen, sehr zärtlichen, sanften Liebesszene. Neruda wird Trauzeuge eines Glücks, das nicht von langer Dauer sein wird. Weil draußen die Panzer anrollen.

Für diese von Mut und Melancholie gleichermaßen bestimmte Geschichte hat das Euro Theater ein Schauspieler-Quartett von hoher Bühnenpräsenz parat. Viktor Weiss spielt den Neruda exakt so, wie ihn Skármeta beschrieben hat: voller Zärtlichkeit, Humor und freundlicher Ironie, Lebensweise, doch nicht abgeklärt.

Die Dialoge zwischen ihm und dem wissbegierigen Briefträger funkeln in ihren unzähligen Sprachbildern; Choere Fischer bringt für diesen Mario den Charme der Jugend und der liebenswerten Ungeduld mit. Angela Fischer als Mutter trägt das Herz auf der Zunge, ist von resoluter Direktheit, aber durchaus nicht gefeit gegen große Gemütsbewegungen. Laura Weider, die begehrte Beatriz, hat bewundernswerte Natürlichkeit und lässt bei aller Sanftmut ahnen, dass Frauen vielleicht doch die Stärkeren sind.
General-Anzeiger, Bonn, 27.1.2007.